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4. Hessischer Elektromobilitätskongress
am 24. Oktober 2019 in Gießen

„Im Fokus: Ladeinfrastruktur“

4. Hessischer Elektromobilitätskongress

Elektroautos spielen bei uns bislang noch eine sehr untergeordnete Rolle. Das soll sich aber ganz schnell ändern: Allen Prognosen zufolge werden bis 2030 mehr Elektroautos neue zugelassen als Verbrenner.

Das muss auch so sein: „Da wir uns das Ziel gesetzt haben, bis 2050 klimaneutral zu werden, muss bis dahin auch der Verkehr klimaneutral sein“, so Sts Jens Deutschendorf in seiner Begrüßungsrede zum Hessischen Elektromobilitätskongress, der am Mittwoch in der Gießener Kongresshalle stattfand. Das bedeute, dass der gesamte Verkehrsbereich seinen CO2-Ausstoß bis dahin um 95% gesenkt haben müsse, so Deutschendorf weiter. „Und eine Lösung stellt die Elektromobilität dar. Und dafür brauchen wir Ladeinfrastruktur!“

Auf dem mit rund 400 Teilnehmern gut besuchten Kongress, der bereits zum vierten Mal von der Geschäftsstelle Elektromobilität bei der LandesEnergieAgentur, in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband eMobilität (BEM), ausgerichtet wurde, drehte sich in diesem Jahr alles um das Thema Ladeinfrastruktur.

„Die E-Mobilität steht angesichts der enormen Investitionen der Hersteller in neue Fahrzeugmodelle kurz vor dem Durchbruch. Der Markthochlauf ist jedoch wesentlich abhängig von der Verfügbarkeit und Verlässlichkeit von Schnell- und Normalladestationen“ erläuterte Prof. Dr. Stefan Bratzel, Center of Automotive Management (CAM) in seiner Keynote-Rede.

Auch nach Ansicht des Moderators Markus Emmert, Wissenschaftlicher Beirat des BEM, ist die Ladeinfrastruktur das zentrale Element der Mobilitätswende. „Sie ist das zwingend notwendige Bindeglied zwischen Energiewirtschaft und Automobilwirtschaft.“

Doch wer ist eigentlich für deren Ausbau zuständig? Das war die zentrale Frage des Kongresses, da gerade private Investitionen in Ladeinfrastruktur nicht überall profitabel betrieben werden könnten.

Bereits in seiner Begrüßungsrede wies Deutschendorf darauf hin, dass Lösungen nur in Zusammenarbeit aller relevanten Akteure erzielt werden können. Auch die Bundesregierung habe die neuralgischen Punkte erkannt und fördere nun im Rahmen des Klimaschutzpaketes nicht nur gewerbliche und private Ladeinfrastruktur oder das Laden beim Arbeitgeber, sondern habe auch entsprechende Regelungen im Wohneigentumsgesetz und im Mietrecht auf den Weg gebracht.

Doch wie lässt sich LIS bedarfsgerecht entwickeln, muss jeder überall Schnellladen können und wie schnell geht „Schnellladen“ überhaupt? Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass das Laden von E-Autos nicht mit dem Tanken von Benzin oder Diesel vergleichbar ist, meint Volker Gillessen von der EcoLibro GmbH. „Laden dauert länger und findet sinnvollerweise meist dort statt, wo das Auto am längsten steht: Das ist in der Regel zu Hause oder am Arbeitsplatz. 80% aller Ladevorgänge finden dort statt. Dort ist der Strom üblicherweise auch am günstigsten“, so Gillessen.

Für die Hauptzielgruppen des Kongresses – Energieversorger, Kommunen und Unternehmen – gab es am Nachmittag drei parallele Foren, in denen auf die spezifischen Probleme eingegangen wurde.

„Elektromobilität ist definitiv ein wachsender Markt, aber viele Stadtwerke verschlafen ihn, indem sie ohne klaren Zielgruppenfokus agieren“, so Klaus Steiner, Managing Partner der GP+S Consulting, beim Forum für Energieversorger. In einer Studie zu den Aktivitäten der Stadtwerke im Bereich Elektromobilität hatte das Beratungsunternehmen erheblichen Nachholbedarf festgestellt. Die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG hat das Problem bereits erkannt und einen Verbund der „Smart Stadtwerke“ gegründet. „Nur Kooperationen innerhalb der kommunalen Stadtwerkelandschaft werden den künftigen e-mobilen Herausforderungen gerecht“, so Dr. Thorsten Reichel von der OVAG.

Ein großes Geschäft für die Energieversorger sieht Michael König von der Frequentum GmbH in Contracting-Modellen für Mehrfamilienhäuser. „Ladeinfrastruktur bauen, lange betreiben und dauerhafte planbare Erlöse erzielen - das Mehrfamilienhaus-Geschäft ist prädestiniert für Energieversorger“, so König.



Die Rolle der Kommunen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur ist dagegen zwiespältig. „Wir betreiben ja auch keine Tankstellen“ hört man gemeinhin. Zwar haben inzwischen viele Kommunen – meist vor dem Rathaus – eine Ladestation aufgestellt, die spöttisch oft als „Bürgermeistersäule“ bezeichnet wird, diese stünde aber meistens leer oder werde den ganzen Tag von nur einem Anwohner belegt.

Während an attraktiven Standorten wie Autobahnen und Fernstraßen private Investitionen in Ladestationen profitabel betrieben werden können, ist das innerorts nur an wenigen Stellen zu erwarten. Das betrifft gerade die sogenannten „Laternenparker“, die über keinen eigenen Stellplatz mit Stromversorgungsmöglichkeit verfügen oder die Besucher von außerhalb (z.B. für die vielen Teilnehmer des Kongresses, die mit dem Elektroauto anreisten).

Fällt das unter die Rubrik „Daseinsvorsorge“ der Kommune für den Bürger? In jedem Fall ist eine genaue Bedarfsplanung notwendig. Über die Notwendigkeit aber auch die Schwierigkeiten der LIS-Planung für Kommunen berichteten Anja Georgi von den Stadtwerken Offenbach und Dr. Christine Döll aus Wiesbaden. Gleich in die Vollen geht dabei die Stadt Rüsselsheim: 1.300 Ladepunkte sollen in Kürze errichtet werden, davon 900 im öffentlichen Raum, der Rest bei der Opel AG. Damit hätte Rüsselsheim die höchste Ladesäulendichte Deutschlands, so Reinhard Ebert von der „Electric City“ Rüsselsheim.

Einen wichtigen Beitrag zum innerstädtischen Ladeinfrastrukturaufbau leisten aber auch die Unternehmen, indem sie Lademöglichkeiten für ihre Mitarbeiter oder Kunden bereitstellen. Viele Handelsketten haben das kostenfreie Ladeangebote inzwischen als Marketinginstrument entdeckt, wie Oliver Kaul von der amperio GmbH in seinem Beitrag aufzeigte.

Das reicht aber bei Weitem nicht aus. Ein ganz wichtiges Thema seien daher Ladelösungen in den Garagen von Miet- oder Eigentumswohnungen, öffentlichen Parklätzen und Parkhäusern. „Wohnungsunternehmen können einen wichtigen Beitrag für eine flächendeckende Ladeinfrastruktur leisten“, so Gregor Steiger von der Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH.

Das Thema Lastmanagement und Batteriespeichersysteme spielte in allen Foren eine wichtige Rolle: „Wir haben kein Energieproblem, sondern zu wenig Leistung an den gewünschten Ladepunkten im Netz“ so Uwe Hahner von ads-tec Energy GmbH. Ein wesentliches Problem, mit dem alle Energieversorger zu kämpfen haben, ist die Belastung des Netzes, nämlich genau dann, wenn ab 18 Uhr alle gleichzeitig, und dann noch möglichst schnell, laden wollen. Wie Opel als Großflottenbetreiber damit umgeht, berichtete Michael Kahlstatt von der Opel Automobile GmbH.

Beim Schlussplenum am Nachmittag gab es einen Ausblick darauf, wie die Mobilität der Zukunft und die Tankstelle von morgen aussehen könnte und welche neueren technischen Entwicklungen bereits heute angewandt werden können. In der Tankstelle von morgen würden jedenfalls „Mobilitätsbezogene Dienstleistungen… zu einer tragenden Säule“, so Dr. Christian Winkler vom DLR Institut für Verkehrsforschung.

Dominique Sevin von der NOW GmbH und Projektträger der Fördermaßnahmen des Bundes erläuterte abschließend die Ziele der Bundesregierung: „Der flächendeckende und kundenorientierte Aufbau von Ladeinfrastruktur ist für die Bundesregierung von zentraler strategischer Bedeutung. Die Botschaft an den Elektroauto-Nutzer muss lauten: „Du kommst überall hin!“ und „Du musst nicht warten.“

Die Vorträge zum Download

Plenum 1

Jens Deutschendorf

Begrüßung

Staatssekretär Jens Deutschendorf, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Prof. Dr. Stefan Bratzel

Keynote

Prof. Dr. Stefan Bratzel, Center of Automotive Management (CAM)

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Volker Gillessen

Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht entwickeln

Volker Gillessen, EcoLibro GmbH

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Mario Lehr

AC/DC Laden: Derzeitige Hindernisse und Grenzen des privaten Ladeinfrastrukturausbaus

Mario Lehr, Bender GmbH & Co KG

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Frank Mehling

Mess- und Eichrecht - Herausforderungen für das AC- und DC-Laden

Frank Mehling, Bender GmbH & Co KG

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Parallelforen

Forum 1 (Energieversorger): Ladeinfrastruktur & Stromversorgung

Klaus Steiner

Verschlafen die Energieversorger die Chancen der Elektromobilität?

Klaus Steiner, GP+S Consulting

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Dr. Thorsten Reichel

Smart Stadtwerke

Dr. Thorsten Reichel, OVAG Oberhessische Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH

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Horst Meierhofer

Die Energiewirtschaft als Treiber der Elektromobilität

Horst Meierhofer, LDEW Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz e V.

Georg Narciß

Der digitale Verteilnetzbetreiber in der Energiewende

Georg Narciß, DigiKoo GmbH

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Michael Kahlstatt

Intelligentes Lastmanagement aus Sicht eines Großflottenbetreibers

Michael Kahlstatt, Opel Automobile GmbH

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Michael König

Ladelösungen für Mehrfamilienhäuser - Das Contracting-Modell der EVUs

Michael König, FREQUENTUM GmbH

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Forum 2 (Kommunen): Planung und Umsetzung von Stromtankstellen auf kommunaler Ebene

Anja Georgi

Fragen, Probleme und Ansätze der LIS-Planung in Offenbach

Anja Georgi, Stadtwerke Offenbach Holding (SOH)

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Dr. Christiane Döll

Ladeinfrastrukturplanung am Beispiel der Stadt Wiesbaden

Dr. Christiane Döll, Stadt Wiesbaden

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Volker Gillessen

Ladekonzepte für Bewohner in urbanen Zentren mit hohem Parkdruck

Volker Gillessen, EcoLibro GmbH

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Reinhard Ebert

Electric City Rüsselsheim

Reinhard Ebert, Stadt Rüsselsheim

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Marc Weider

Elektromobilitätsgesetz – Möglichkeiten für Kommunen und rechtliche Fragen

Marc Weider, NOW GmbH

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Forum 3 (Unternehmen): Mieter-, Kunden- und Mitarbeiterparkplätze

Gregor Steiger

Ladeinfrastruktur in der Wohnungswirtschaft

Gregor Steiger, Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH

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Steven Narrog

Intelligente Ladelösungen in Wohngebäuden und Quartieren

Steven Narrog, Digital Energy Solutions GmbH & Co KG, Ein Joint Venture der BMW Group und Viessmann AG

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Oliver Kaul

Ladeinfrastruktur im Bereich des Einzelhandels

Oliver Kaul, amperio GmbH

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Ulrich Küthe

Vermeidung von hohen Nebenkosten bei Installation und Betrieb von Ladeinfrastruktur

Ulrich Küthe, Plug’n Charge eMobility Infrastructure

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Uwe Hahner

Speichergestütztes Laden von EVs in leistungsbegrenzten Verteilnetzen

Uwe Hahner, ads-tec Energy GmbH

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Dr. Marco Stieneker

PV-Anlagen, Batteriespeicher-systeme und Ladesäulen für den Flottenbetrieb

Dr. Marco Stieneker, elexon GmbH - ein Joint Venture von aixACCT charging solutions, AixControl und SMA Solar Technology

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Plenum

Dr. Christian Winkler

Mobilität der Zukunft und die Tankstelle von morgen

Dr. Christian Winkler, DLR Institut für Verkehrsforschung

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Christian Zeh

High-Power-Charging-Ladestationen für Elektroautos entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen

Christian Zeh, Ionity GmbH

Ahmad Kamar

Schunk Smart Charging: Underbody Charger

Ahmad Kamar, Schunk Group

Wolfgang Herda

EnBW mobility+App und ADAC e-Charge Card

Wolfgang Herda, ADAC Hessen-Thüringen e.V.

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Dominique Sevin

Fördermöglichkeiten des Bundes für Ladeinfrastruktur

Dominique Sevin, NOW GmbH

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