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26 Jan 2022

Schwere eLkW in der Logistik




© MAN

Ein Projekt der Hochschule Fulda und des Baustoffhändlers STARK Deutschland GmbH will schwere E-Lkw in der Logistik einsetzbar machen.

E-Lkw können die CO2-Bilanz selbst beim derzeitigen Strommix sichtbar verbessern. Den größten Hebel bieten Fahrzeuge ab 12 Tonnen. Doch im Schwerlastbereich gewerblicher Verkehre ist der Anteil an E-Lkw bislang gering. Das Problem: Es mangelt an Realdaten, auf deren Basis Unternehmen eine Dekarbonisierungs-Strategie für ihren Fuhrpark entwickeln können. Ein gemeinsames Projekt der Hochschule Fulda und des Baustoffhändlers STARK Deutschland GmbH will diese Daten für einen 26-Tonner im urbanen Raum durch Anwendungstests erheben und eine wissenschaftlich abgesicherte Strategie entwickeln. Die Ergebnisse sollen anderen Unternehmen helfen, denselben Weg zu beschreiten.

Welche Dieselfahrzeuge und Touren lassen sich im innerstädtischen Schwerlastverkehr unter den derzeitigen Rahmenbedingungen schon durch E-Lkw ersetzen? Das wollen die Hochschule Fulda und die STARK Deutschland GmbH über Anwendungstests im Alltag und Tourenanalysen erheben. Die STARK Deutschland GmbH wird dazu zur Kundenbelieferung von ihrem Raab Karcher-Standort in Frankfurt am Main aus ein 3-Achs Verteilerfahrzeug einsetzen, betrieben durch einen 264-kW-Elektromotor. Laut Hersteller hat es eine Reichweite von maximal 200 km. Das Projekt fokussiert einen Bereich, der den größten Hebel zur CO2-Reduktion im Straßengüterverkehr bietet: Fahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht. In Deutschland verursacht der Straßengüterverkehr etwa neun Prozent der CO2-Emissionen (CO2-Äquivalent). Fahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht sind für rund fünf Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich.

Ziel des Projekts ist es, mindestens 20 bis 30 Prozent des Fuhrparks der STARK Deutschland GmbH am Standort Frankfurt bis 2025 durch den Einsatz von E-Lkw zu dekarbonisieren – eine entsprechende Weiterentwicklung im Bereich der Batterietechnik vorausgesetzt. Die Strategie und die während des Projekts gesammelten Erfahrungen sollen der Öffentlichkeit im Rahmen eines Handlungsleitfadens bereitgestellt werden, sodass andere Unternehmen die Erkenntnisse auf ihre Nahverkehre im urbanen Raum anwenden können.

Das Projekt läuft bis Oktober 2023 und wird vom Hessischen Wirtschaftsministerium mit rund 443.000 Euro gefördert. „Wenn wir die Klimaerwärmung begrenzen wollen, müssen wir auch unsere Mobilität CO2-neutral organisieren“, sagt Staatssekretär Jens Deutschendorf. „Doch während Pkw mit Elektroantrieb mittlerweile serienreif sind, liegen wir bei den Nutzfahrzeugen noch zurück. Was fehlt, sind praktische Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit von E-Lkw. Mit unserer Förderung wollen wir dazu beitragen, diese Lücke zu schließen und den Übergang zum klimafreundlichen Güterverkehr zu beschleunigen. Das Interesse der Branche zeigt, wie notwendig dies ist.“

Das Ziel: Klimaneutral bis 2045

"Den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu ermöglichen, ist die wohl größte Aufgabe unserer Generation. Der Bausektor ist aufgrund seines immensen Ressourcenverbrauchs und CO2-Fußabdrucks besonders in der Pflicht. Als Unternehmen tragen wir somit eine Mitverantwortung dafür, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden“, sagt Michael Knüppel, CEO bei STARK Deutschland. Im März 2021 hat sich die STARK Group deshalb im Rahmen der „Science Based Targets Initiative“ auf das 1,5-Grad-Ziel verpflichtet. Bis 2045 will das Unternehmen klimaneutral werden. „Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern aus der Bauindustrie werden wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Bauwirtschaft vorantreiben. Wir sind bereit, hier Pionierarbeit zu leisten.“

Beim derzeitigen Energiemix in Deutschland kann der Einsatz eines E-Lkw mit circa 26 Tonnen Gesamtgewicht den jährlichen CO2-Ausstoß um bis zu 40 Tonnen reduzieren, hat Professor Dr. Boris Zimmermann berechnet. Er ist Logistiker im Fachbereich Wirtschaft an der Hochschule Fulda und leitet das Projekt. Dabei sind die Emissionen, die durch die Herstellung der Batterie und durch den derzeitigen deutschen Strommix entstehen, bereits berücksichtigt. Zusätzlich, so betont er, werde der lokale Feinstaub um mindestens 50 Prozent reduziert, die NOX-Emissionen verringerten sich sogar um 95 Prozent. Das Projekt leiste damit auch einen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen im Stadtgebiet Frankfurt. „Wir wollen Wege aufzeigen, wie Unternehmen schon jetzt damit beginnen können, auf E-Lkw umzustellen“, sagt Professor Zimmermann.

Der Knackpunkt: Effiziente Dekarbonisierungs-Strategien

Bis 2040 könnten seinen Berechnungen zufolge durch staatliche Zuschüsse in Höhe von 25 bis 35 Milliarden Euro etwa 200.000 Lkw mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht dekarbonisiert werden, inklusive Aufbau der dafür notwendigen Ladesäulen bei den Unternehmen. Damit würden die CO2-Emissionen im Straßengüterverkehr im Jahr 2040 bei einem verbesserten Energiemix um 25 Prozent sinken auf 3,75 Prozent der gesamten Emissionen in Deutschland. Die letzten Schritte zur vollständigen Dekarbonisierung, wenn der Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien gewonnen wird, würden insgesamt weitere acht Milliarden Euro kosten, so der Wissenschaftler. Die CO2-Emissionen des schweren Straßengüterverkehrs lägen dann bei etwa 0,5 Prozent der gesamten Emissionen.

„Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn die Unternehmen effiziente Dekarbonisierungs-Strategien entwickeln können“, betont Professor Zimmermann. „Das ist eine der Kernaufgaben des Projekts. Es übernimmt auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle, da es bisher in Deutschland keine wissenschaftlich abgesicherte Dekarbonisierungs-Strategie des Schwerlastverkehrs in Ballungsgebieten gibt.“

Zunächst können nur Fahrten mit maximalen Längen von 200 Kilometern dekarbonisiert werden. Nach ersten Einschätzungen der Wissenschaftler sind das circa 25 bis 30 Prozent aller untersuchten Fahrten. „Nur durch eine bessere Ladeinfrastruktur, Schnellladesäulen (DC hypercharge) für Lkw und größere Batterien kann der Durchbruch gelingen. Die Entwicklungen im E-Pkw Bereich stimmen zuversichtlich, dass 2040 die Batteriepreise bei unter 100 Euro pro Kilowattstunde für den Endnutzer liegen werden.“

Titel des Forschungsprojekts:
E-DES FFM: Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs am Beispiel einer Kunden- und Baustellenbelieferung der Innenstadt Frankfurt

Finanzierung des Projekts:
Das Projekt wird mit 443.000 Euro vom Land Hessen in der Förderlinie Elektromobilität gefördert.

Projektlaufzeit:
Das Projekt läuft bis Oktober 2023.

Eingesetztes Fahrzeug:
MAN eTGM 26.360 E 6x2-4 LL
Aus fördertechnischen Gründen wird das Fahrzeug für 29 Monate geleast.

Weitere Informationen:
http://www.edesffm.de